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Am Donnerstag morgen begaben wir uns auf den Weg nach Reingers in Niederösterreich direkt an der tschechischen Grenze. Dort sollte in dieser Saison die Cart EM der FISTC ausgetragen werden. Die 276 km waren relativ gut zu fahren, der Großteil Autobahn und nur die letzten 80 km schlängelten sich auf den Landstrassen bei teilweise heftigem Nebel dahin.
Dort angekommen wurden wir auf den Platz des deutschen Teams eingewiesen und wir bauten in Ruhe den Stake Out auf. Es waren schon fast alle deutschen Starter vor Ort. Zugleich wurden uns die Annehmlichkeiten dieses wirklich luxuriösen Rennes mitgeteilt. Stroh und Strom kostenlos für alle und genügend saubere Toiletten. És waren auch keine Dixies sondern beheizte Toilettenwägen mit warmen Wasser innen und an den Aussenseiten. Ebenfalls beheizte und mit genügend warmen Wasser ausgestattete Duschcontainer standen für die Teilnehmer bereit.
Das einzigste was eventuell bemängelt werden könnte, ist, dass beim Vet-Check nicht jeder Hund untersucht, sondern nur Stichproben gezogen wurden.
Nun hatten wir noch die Abnahme und das Wiegen des Wagens und Fahrrads vor uns. Das vorgeschriebene Mindestgewicht des Wagens liegt für die D-Klassen bei 30 Kg, was von der überwiegenden Anzahl der Wagen der D-Musher gerade mal so erreicht wurde. Laut Hersteller war das Gewicht von unserem Dyck-Dreirades (recht altes Model) mit 37 kg angegeben. Beim Wiegen des Wagens kam der Schock, er wog genau 47kg. Somit war es mit großem Abstand der schwerste Wagen aller D-Musher, was jedoch bei einem relativ ebenen und festen Trail nicht so eine große Rolle spielen sollte (später mehr dazu). Das Mountainbike "Modell Baumarkt" bestand den Check auch ohne Mängel, war jedoch im Vergleich zur Konkurrenz auch alles andere als Hightech (auch dazu später mehr).
Da es bereits 15.30 Uhr war machten wir uns noch flott auf den Weg, die 4,3km Trail in Augenschein zu nehmen. Der Trail an sich war sehr schön und abwechslungsreich mit vielen Abzweigungen und zwei mittelschweren Anstiegen führte er durch Wald über Wiesen und Feldwege. Es gab auch ein neues Schild "gelb mit rotem Kreuz", das bedeutete sehr große Gefahrenstelle. Auch jede noch in irgendeiner Weise eventuell gefährliche Stelle war mit gelben Schildern markiert. Diese erschienen uns teilweise ziemlich übertrieben (später mehr dazu)
Die Musherbesprechung unseres Teams wurde nach der Delegiertenversammlung direkt am Stake Out abgehalten und danach gings mit dem Einmarsch der Nationen in den "Hanfstadl" zur Eröffnungsfeier. Die Reden wurden wirklich sehr kurz und bündig gehalten, was weiters als positiv aufgenommen wurde. Jeder Starter erhielt zudem 1 Flasche Hanfbier mit einem dazugehörigen eigens für die EM gravierten Glas sowie 2 Essens- und 2 Getränkemarken, einzulösen das ganze Wochenende.
Bernd und Christa Sauerhöfer hatten sich telefonisch gemeldet, dass die Zylinderkopfdichtung nach 2 Stunden Fahrt den Geist aufgegeben hatte und somit eine Teilnahme nicht mehr möglich war. Schade, denn wir hatten auf ihre beiden Gröni Teams für Deutschland gehofft.
Es waren über 120 Teilnehmer am Start aus vielen Nationen. In der D2 sollte es spannend werden, da die Franzosen meist sehr stark sind und die Frau von Laurent Blot ebenfalls am Start war und Laurent seinerseits die letzten Jahre immer in der D2 Klasse am Treppchen stand. Er startete diesmal allerdings in C2.
Renntag1:
Es war nasskalt mit gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit und Wolfgang Speer war der erste Starter des deutschen Teams und als er zum Start ging, begann es bereits leicht zu regnen. Dieser leichte Regen sollte sich im Verlauf der nächsten Stunden immer stärker entwickeln und in einem handfesten Schneeregen enden. Unter diesen immer feuchteren Bedingungen litt natürlich der Trail enorm. Besonders die Abschnitte über offene Wiesen und der erste Anstieg, der zum Großteil auch eine Wiese war wurde durch jedes Gespann mehr und mehr zu einer Sumpflandschaft. Als Wolfgang Speer ins Ziel kam war sein Rat an uns "warm und schlammdicht anziehen". Die Strecke ist auf den Wiesen und den Feldwegen sehr schlammig.
Unsere Startzeit war halb zwei (Bernd) und halb 3 (Bine). Bis dahin sollte sich noch einiges an der Beschaffenheit der Strecke ändern. Als nächstes Team der "2er Kategorie" ging Horst Klank und seine wunderbar weissen Samojeden 1 Stunde vor Bernd auf die Strecke. Als er ins Ziel kam erkannten wir zunächst seine Hunde nicht. Diese waren aus einer Mischung von schlammbraun und dreckgrau gefärbt, also nicht wirklich samojedenweiß.... Auch er gab uns den gleichen Tipp wie Wolfgang Speer zuvor. Auch noch der Kommentar "pedalen unmöglich, entweder laufen und rutschen - oder draufstellen und sich ziehen lassen" sollte sich als wahr erweisen. Auch Horst fuhr mit einem relativ ungünstigen Wagen, da die Zollgröße der Reifen relativ klein war.
Nun kam Bernds Start und die Prophezeiungen von Wolfgang und Horst sollten sich schon am Start bewahrheiten. Nach dem Kommando "Go" pullten die Hunde wie verrückt, was angesichts des mittlerweile im Startbereich herrschenden Sumpf wenig erfolgreich war. Auch Bernds Bemühungen, den Wagen mit Pedalen auf Geschwindigkeit zu bringen schlugen schon auf ebenen Gelände fehl. Am ersten Anstieg also runter und mitlaufen. Aus der Sicht vom Start aus sah es aus, als ob Bernd bei jedem Schritt einen halben zurückrutschen würde. Aber auch die anderen Teilnehmer hatten ihre Mühe, wenn auch etwas weniger, da deren Dreiräder deutlich leichter waren und schmälere Räder hatten. Die Minuten im Ziel vergangen und die zuvor gestarteten "Konkurrenten" kamen rein. Weder an den Startnummern, noch den Mushergesichtern, noch den Hunden konnte man erkennen, um welchen Starter es sich handelte. Zum Glück gibts Chiplisten und das dazugehörige Transponder-Armband am Musher. Mit einem Lauf ohne jegliche Überholmanöver war Bernd mit der 5.besten Zeit wieder im Ziel. Eine kleine Überraschung war für die Franzosen der Belgier Harry Braeckmann, der mit seinen schönen Malamuten die Grönis auf die Plätze verwies. Nun rückte die Zeit für unseren Velo-Start mit dem einzigen Kat.2-Hund gegen die Huskies immer näher. Die "Racingkleidung" bestand aus Gummistiefel und PVC Latzhose und Regenjacke, also weder aerodynamisch günstig, noch sonderlich hübsch anzusehen aber dem Wetter entsprechend effektiv. Bereits beim Start schlitterte das Fahrrad durch den immer tiefer werdenden Morast. Doch diese Trailbedinungen waren gut für einen Hund wie Digger, der doch wesentlich mehr Zugkraft hat, als die Huskies. Am ersten Anstieg konnte Digger bereits auf die meisten Konkurrenten Zeit gut machen und wir überholten bereits am höchsten Punkt das erste Velo-Gespann. Nach dem zweiten Anstieg gings nur noch gerade aus bzw. bergab, da waren wir natürlich den Huskies vom Tempo her unterlegen. Der Schlamm war dann auch weniger tief, so dass nun die Huskies ihre Stärke ausspielen konnten und eine Tschechin im Schuß an uns vorbeiflog. Digger konnte sich lange hinter dem Gespann halten, jedoch war das Tempo auf Dauer zu hoch. Kurz vor dem Zieleinlauf kam dann der eventuell befürchtete worst case. Der Sprecher feuerte uns lautstark an und die im Ziel wartenden Doghandler bildeten eine in Diggers Augen wohl unüberwindbare Barriere und er beschloss, auf der Stelle umzudrehen. Da fremde Hilfe oder das Nebenherführen am Halsband lt. Rennregel natürlich untersagt sind, dauerte es knappe 2 Minuten (gefühlte 10 Minuten), bis Digger endlich mit seiner Schnauze die Lichtschranke durchbrach. Bernd konnte ihn auch nicht rufen, da dies ebenfalls untersagt ist. Umso erstaunter waren wir über die 3.beste Zeit und einem Abstand, der ohne das Maleur an diesem Tag locker den 2. Platz eingebracht hätte.
Erwähnenswert noch war die Leistung von einem Crossläufer, der sich noch relativ am Anfang des Trails befand und sich bei einem Sturz den Arm schwer verletzte und trotzdem den Lauf bis zum Ziel beendete. Eine weitere bewundernswerte Leistung zeigte Markus Hampel, der mit einem Gesamt-Hundealter von 24 Jahren in der Canicross-2Hunde-Kategorie Platz zwei belegte.
Bei einem gemütlichen Abend im Hanfstadl, wo wir das THC-freie Hanfbier testeten und uns von der Polizei Big Band Niederösterreich unterhalten ließen, klang der 1. Renntag ruhig aus.
Renntag 2:
Der Regen ließ nach und hörte schließlich ganz auf, was zur Folge hatte, dass der Trail weniger nass, dafür aber eine Kaugummi-Silikonartige Konsistenz aufwies. Dies konnte man auch an den meisten Zeiten sehen. Wolfang Speer und auch Horst Klank bestätigten dies. Horst konnte sich jedoch vom dritten auf den zweiten Platz verbessern. Bei Bernd lief es ähnlich wie am Vortag nur dass die Schinderei noch eine gewaltige Stufe zugenommen hatte. Unsere hellen Hunde waren wieder ziemlich dunkel im Ziel und auch Bernds Gesicht hatte gut Mud-Up aufgelegt. Eine halbe Stunde nach Bernds Zieleinlauf war unser Velo-Gespann wieder dran und die Kleidung entsprach ebenfalls dem Vortag. Am ersten Schlamm-Anstieg kamen wir wieder gut weg, jedoch fehlte uns diesmal ein Husky-Gespann als Tempomacher. Die größte Sorge im Hinterkopf war jedoch der Zieleinlauf. Ca. 800 m vor dem Ziel überholten wir ein ungarisches Velo-Herren-Malamute-Team und ich hoffte, falls es im Ziel erneut Probleme geben sollte, dass Digger mit dem Malamute gemeinsam durchs Ziel lief. Der Sprecher wußte Bescheid und sprach mit sehr gedämpfter Stimme, als wir uns dem Ziel näherten. Auch im Zielbereich waren die Doghandler deutlich weniger, sodass einem perfekten Zieleinlauf nichts mehr im Wege stand. Und so kam auch, dass Digger zwar kurz schaute, jedoch dann aber freudig zu Bernd im Zeil lief und seine Streicheleinheiten genoss. An diesem Tag bleib bei Bernd die Platzierung gleich und in der Velo gaben wir uns mit Platz 4 sehr zufrieden. Der Abstand zu Platz 3 war überschaubar und das Wichtigste war für uns der gelungene Zieldurchlauf.
Bereits um 18 Uhr gingen wir zum Hanfstadl um einen guten Platz zu ergattern. Das Musheressen war an jedem Tag sehr gut und auch das Hanfbier schmeckte vorzüglich. Da die tschechische Countryband wirklich Stimmung in den Stadl brachte, dauerte der Abend gerüchteweise für manche Musher bis 5 Uhr morgens. Wir jedoch verließen gegen halb zwei den Stadl Richtung Wohnwagen, da uns die Grippe einfach nicht loslassen wollte. Selbst zu dieser Zeit war die Stimmung noch am kochen und es standen mehr Leute auf den Tischen als auf den Bänken saßen.
Renntag 3:
Manchen Teilnehmern sah man den anstrengenden Musherabend noch an (Namen werden keine genannt ;-)). Das Wetter und die Trailbedinungen waren wieder ähnlich wie am Vortag jedoch die Renneleitung zeigte sich von ihrer gnädigen Seite und verlegte den Start mit dem ersten Teil des Berges einfach 5m nach links wo wieder frische Wiese wartete. Auch der Startbereich selbst wurde mit Stroh aufgefüllt. Horst Klank zog sich während des Pedalens einen Abriss der Achillessehne zu, fuhr dann auf dem verletzen Bein stehend und mit dem anderen Bein pedalend ins Ziel und konnte sich so seinen 2. Platz sichern. Erst nachdem die Hunde wieder versorgt waren, kam er ins Krankenhaus wo er nach einiger Zeit mit einem Spaltgips und zwei Krücken wieder zurückkam. Wir hoffen, dass er sich nach der noch bevorstehenden OP schnell wieder erholt und die Saison nicht komplett für ihn gelaufen ist. Wir wünschen ihm gute Besserung. Auch die Leistung von Sepp Brugger, der sich mit 3 Malamuten auf Platz 3 behaupten konnte ist erwähnenswert. Es gab sogar eine eigene "2erScooter" Klasse, die nur mit Malamutenteams besetzt war. Hier konnten sich Romuald Schönfeld mit einem Hund von Fam. Salzlechner klar vor Sepp Brugger behaupten. Das Ehepaar Salzlechner belegte die Plätze 3 und vier. Von Bernds Lauf gibt es keine besonderen Vorkommnisse, außer dass die Strecke noch rutschiger war. Die Platzierung blieb ebenfalls gleich. Aufgrund des schweren Wagens und der Trailbedinungen war leider nicht mehr zu erreichen und wir waren voll und ganz zufrieden. Aber auch die Konkurrenz war wirklich nicht zu verachten. Harry Braeckmann hat sich den Sieg mit seinen schönen Malamuten wirklich verdient. Der Hauptaugenmerk in der Veloklasse war auf jeden Fall wieder eine Zieldurchfahrt ohne Probleme, jedoch war der 3. Platz in greifbarer Nähe. Der Doghandler, der vor uns startenden Rehner Cornelia sagte nach unserem Start wortwörtlich zu Bernd "möchte Euer Rüde den Berg niederreissen". Digger vollbrachte eine wirklich wahnsinns Leistung und wir kamen den ersten Anstieg sehr schnell hoch. Bereits am zweiten Anstieg konnten wir zu Cornelia aufschließen und der Plan war, dass wir uns auf der Ebenen und bergab hinter ihr halten können und einen reibunglosen Zieleinlauf präsentieren. Leider spielte das Glück nicht mit und das Baumarkt-Mountainbike rächte sich, in dem die Schaltung versagte und ein Treten nicht mehr möglich war. Lange Zeit hielt Digger das Tempo ohne Tret-Unterstützung mit, jedoch in der Wiese, als es wieder schwerer wurde, mussten wir uns geschlagen geben. Kurz vor dem Ziel ging durch irgeneinen Zufall ein kleiner Gang rein und somit hatte Digger wieder eine Unterstüzung auf die letzten Meter zum Finish. Er ging wieder tadellos zu Bernd, der bereits mit den anderen Doghandlern wartete. Auch mit unserer Leistung waren wir mehr als zufrieden. Der Wagen und das Radl wurden wie jeden Tag mit dem bereitstehenden Wasserschläuchen von den anhaftenden Schlammassen befreit.
Die Siegerehrung war auf 16 Uhr angesetzt und wurde ohne viel Ansprachen gut durchgezogen. Da es sehr neblig und mittlerweile auch schon dunkel war, und uns die Grippe immer noch müde hielt, beschlossen wir den Heimweg erst am Montag anzutreten.
Resumee:
Der BSSC unter der Führung von Gerald Schinzel hat alles Mögliche gegeben um den angereisten Mushern das Beste zu bieten, was auch ohne wenn und aber voll gelungen war. Es gab täglich eine Ergebnis- und Startliste für JEDEN Teilnehmer, sowie nach der Siegerehrung die Gesamtergebnisliste und eine Urkunde mit einem Startfoto vom eigenen Team. Die Zuschauermenge hielt sich in Grenzen, was aber angesichts des schlechten Wetters und der extrem dünn besiedelten Gegend keine Überraschung war. Erwähnenswert sei noch die Ankündigung der FISTC Vorstandschaft, dass es zum 20 jährigen Jubiläum in Donovaly, wo zugleich die FISTC Sprint WM ausgetragen wird, keinerlei Qualiläufe nötig sind und die Veranstalter in Donovaly pro Starter einen 50 Euro Benzingutschein zur Verfügung stellen. Somit hoffen auch wir auf viele Starter in den "2er-Klassen" besonders natürlich D und Skijöring 1 Hund. Es wurde auch kein einziger Hund beim Pre Race Check aus dem Rennen genommen bzw. gab es keinerlei Beanstandungen.
Für uns gab es nach dem Heimkommen am Montag jedoch ein tiefgreifendes Schockerlebnis, da unsere 13 jährige Chugamooc eine Magendrehung hatte. Zum Glück kamen wir noch rechtzeitig in die Tierklinik und der Magen war nicht komplett gedreht, so dass sie nach langem Magenspülen am nächsten Morgen wieder nach Hause durfte und das Ganze gut überstanden hat.
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